Port Breakout und Very Small Form Factor (VSFF) | Corning

Wie Port Breakout und VSFFC zur Nachhaltigkeit im Rechenzentrum beitragen

Wie Port Breakout und VSFFC zur Nachhaltigkeit im Rechenzentrum beitragen

Rechenzentrumsbetreiber geraten immer mehr unter Druck. Zum einen müssen Sie eigene Nachhaltigkeitsziele und gesetzliche Vorgaben erfüllen, zum anderen auch einen Beitrag zu den Nachhaltigkeitsambitionen ihrer Kunden leisten. Für eine Branche, die etwa 1 % des globalen Energieverbrauchs ausmacht, ist das eine ernstzunehmende Herausforderung. Vor allem Server und Kühlsysteme fressen Strom. Allein im Jahr 2020 belief sich der Stromverbrauch der deutschen Rechenzentren laut Branchenverband Bitkom auf 16 Milliarden Kilowattstunden. Das ist mehr Strom als die Stadt Berlin in einem Jahr verbraucht.

Erste Städte wollen dieser Entwicklung nun entgegensteuern und bringen Restriktionen zum Bau neuer Rechenzentren auf den Weg. Das Rhein-Main-Gebiet rund um Frankfurt ist aufgrund des Internetknoten DE-CIX ein begehrter Standort. Neben der Standortbeschränkung auf bestimmte Gewerbegebiete, will die Stadt auch Vorgaben zur Energieeffizienz und Gebäudegestaltung umsetzen, damit die Rechenzentren möglichst gut in die Stadtplanung integriert werden können.

Die Bundesregierung hat zudem im Koalitionsvertrag festgehalten, dass neu eröffnete Rechenzentren bis 2027 klimaneutral sein sollen. Die Europäische Kommission will bis 2030 sogar alle Rechenzentren in Europa klimaneutral betreiben.

Die Effizienz von Rechenzentrumsinfrastrukturen hat sich in den letzten Jahren erheblich gesteigert, und zwar um 21 % innerhalb eines Jahrzehnts.

Die Effizienz von Rechenzentrumsinfrastrukturen hat sich in den letzten Jahren erheblich gesteigert, und zwar um 21 % innerhalb eines Jahrzehnts.

Die Wahl des Standorts und der Einsatz von erneuerbaren Energien können dabei helfen Nachhaltigkeitsziele zu erreichen und die Umwelt zu entlasten. Doch auch wenn der Stromverbrauch insgesamt in die Höhe ging, waren Rechenzentrumsbetreiber und Hersteller von Netzwerkinfrastrukturlösungen nicht untätig. Die Effizienz der Infrastruktur im Rechenzentrum nahm in den letzten Jahren deutlich zu. Während der PUE-Wert (power usage effectiveness, also die Effektivität des Stromverbrauchs) 2010 noch bei 1,98 lag, sank dieser Wert auf 1,63 im Jahr 2020. Das entspricht einer Effizienzsteigerung von 21 Prozent. Genauso wie aktive Komponenten, also Transceiver, Switches und Co. eine messbare Auswirkung auf die Nachhaltigkeit von Rechenzentren haben können, trifft das auf Kabel, Stecker und Module ebenso zu.

Es bleibt die Herausforderung immer höhere Geschwindigkeiten zu unterstützen und mehr Rechenleistung, Speicherplatz und Datendurchsatz auf dem gleichen Platz unterzubringen und zu verdichten. Platz ist Geld, sowohl in Colocation-Rechenzentren, wo Mieter nach Fläche bezahlen, wie auch für Nutzer, die an die Kapazitätsgrenzen ihrer eigenen Rechenzentren stoßen. Verdichtung hilft, den benötigten Platz und damit die Kosten zu reduzieren. Moderne Transceiver liefern immer schnellere Übertragungsgeschwindigkeiten, doch wie verkabelt man diese Lösungen möglichst nachhaltig und zudem so, dass sie möglichst wenig (teuren) Platz in Anspruch nehmen?

Cindy Ryborz

Cindy Ryborz ist EMEA (Europa, Mittlerer Osten, Afrika) Marketing Manager für Rechenzentren. In dieser Funktion leitet sie die Online- und Offline-Marketingaktivitäten für die Segmente Enterprise, Colocation/Multitenant und Hyperscale Data Center in der gesamten Region.

Cindy verfügt über mehr als 14 Jahre Erfahrung in den Bereichen Kundenbetreuung und Marketing bei Corning. Im Juni 2012 trat sie dem Marketing-Team bei und war für die Umsetzung der Local Area Networks-Strategie von Corning in der gesamten EMEA-Region verantwortlich. Im Jahr 2016 übernahm sie die Rolle des Strategischen Marketing Managers für In-Building Networks, Local Area Networks, bevor sie 2018 in ihre aktuelle Rolle wechselte.

Cindy hat einen Master of Arts von der Humboldt-Universität zu Berlin, Deutschland.

Verfügbare Transceiver-Varianten

 

 

Kleine Stecker für große Geschwindigkeiten

Kleine Stecker für große Geschwindigkeiten

Darauf gibt es zwei Antworten: Parallel Port Breakout und VSFFC (Very Small Form Factor Connectors, also sehr kleine Stecker). Port Breakout beschreibt den Einsatz von High-Speed-Transceiverports für parallel-optische Übertragung in einem auf 8 Fasern basierten (Base-8) System mit Geschwindigkeiten von beispielsweise 800G, die allerdings nicht als Einzelports betrieben werden. Stattdessen werden sie z. B. in Spine-Leaf-Anbindungen mit 4 x 200G genutzt oder als Leaf-Server-Anbindungen mit 400G-Ports, die auf 8 x 50G-Ports aufgeteilt und betrieben werden. Aus einem Hochgeschwindigkeits-Port werden also mehrere Ports mit jeweils geringeren Übertragungsraten.

Diese Anwendung erfüllt zum einen die Bandbreitenanforderungen, verbraucht jedoch wesentlich weniger Strom als der 800G-Betrieb, der für die meisten Rechenzentrumsbetreiber noch in weiter Ferne liegt, und muss somit auch weniger gekühlt werden. Auch für heute überwiegend betriebene Geschwindigkeiten von 40G, 100G oder 400G im Hyperscale/Cloud-Bereich, gilt das. Die Leistungsaufnahme eines 100G-Duplex-Transceivers beispielsweise liegt für einen QSFP-DD Transceiver bei etwa 4,5 Watt. Ein 400G parallel-optischer Transceiver verbraucht hingegen nur 3 Watt pro Port, wenn er im Breakout-Modus als 4 x 100G Ports betrieben wird. So können bis zu 30 Prozent des Stroms eingespart werden, ungeachtet der zusätzlich entstehenden Einsparungen bei Klimatisierung sowie der Leistungsaufnahme der Switch-Chassis und deren Beitrag zur Platzeinsparung

Port Breakout bringt außerdem noch einen weiteren Vorteil mit sich. Für zukünftige Updates können Rechenzentrumsbetreiber mit wenigen Änderungen in der passiven Netzwerkinfrastruktur auf höhere Geschwindigkeiten aufrüsten, ohne, dass ein Technologiewechsel oder ein kompletter Austausch der Verkabelungskomponenten notwendig ist. Nachhaltiges Wirtschaften und geringe Ausfallzeiten bei Änderungen oder Erweiterungen des Netzwerks gehen Hand in Hand.

Mit der Markteinführung von 400G und im weiteren Verlauf auch 800G Transceivern, sind zusätzlich zu den traditionellen LC-Duplex und MPO-12 Verkabelungsschnittstellen, die wir aus dem Rechenzentrumsumfeld kennen weitere Steckgesichter hinzugekommen. Dazu gehören unter anderem neue MPO Bauformen MPO-16 und MPO-12 DD (zweireihig), sowie SN, CS und MDC als neue Very Small Form Factor Steckformate.

Auf der Grundfläche eines LC-Duplex-Steckverbinders lassen sich bis zu drei MDC- oder SN-Steckgesichter unterbringen. Dies verspricht zum einen eine bis zu dreifache Packungsdichte und kann zum anderen zur Senkung der Gesamtbetriebskosten beitragen. Des Weiteren bieten MDC- und SN-Steckverbinder-Formate die Möglichkeit, Port Breakout direkt auf der Transceiver-Ebene zu betreiben, sollte eine Punkt-zu-Punkt-Verkabelung benötigt oder sinnvoll sein.

LWL-Steckertypen für große Übertragungsgeschwindigkeiten

 

 

Für zukünftige Upgrades gerüstet

Für zukünftige Upgrades gerüstet

Leistungsstarke Transceiver und eine parallel-optische Base-8 Verkabelungsstruktur bieten Netzwerkbetreibern Möglichkeiten um zukünftige Upgrades zu vereinfachen ohne die gesamte Infrastruktur zu ändern oder austauschen zu müssen. Allerdings ist es wichtig für ausreichend Faserreserve im Backbone zu sorgen, damit Erweiterungen mit möglichst geringem Änderungsaufwand umgesetzt werden können. Wenn genügend Faserreserve eingeplant wurde, lassen sich zum Beispiel Upgrades von 10G auf 40/100G oder 400/800G durch den Austausch von MPO/MTP zu LC-Modulen und LC-Duplex-Patchkabeln mit MPO/MTP-Adapterpanels und -Patchkabeln umsetzen. Mit dem Austausch von nur wenigen Komponenten ist das Netzwerk dann wieder gerüstet für die Zukunft, ohne dass Änderungen am eigentlichen Backbone vorgenommen werden müssen.

Modulare Glasfasergehäuse erlauben außerdem einen Mix verschiedener Technologien und die Integration von neuen Technologien wie den VSFF-Steckern. Es gibt bereits Gehäuse, die 8-, 12-, 24- und 36-Faser Module aufnehmen können. Biegeunempfindliche Glasfasern sorgen außerdem für eine Verkabelungsinfrastruktur, die langlebig, zuverlässig und ausfallsicher ist. Solch flexible Hardware hilft, das Netzwerkdesign skalierbar und so einfach wie möglich zu halten. Wenn dann die Anforderungen wachsen, kann die optische Netzwerk-Technik ohne allzu hohe Zusatzinvestitionen mitwachsen.

In der Praxis

In der Praxis

Die Anwendungen sind vielfältig – wachsende Datenmengen fallen schließlich überall an. Nehmen wir an, ein Versicherungsinstitut bringt eine neue PKW-Police auf den Markt, die beispielsweise die Fahrweise der Versicherungsnehmer*innen überwacht und dafür Vergünstigungen bietet. Damit werden große Mengen an Daten generiert, die wiederum im Rechenzentrum der Versicherungsgesellschaft gesammelt, gespeichert und verarbeitet werden müssen. Dafür müssen wiederum die bisherigen Speicher- und Datenübertragungskapazitäten im Rechenzentrum erhöht werden – das jedoch möglichst, ohne weiteren Platz in Anspruch zu nehmen. Port-Breakout-Anwendungen oder neue Entwicklungen im Bereich der Verkabelungskomponenten wie die VSFF-Stecker ermöglichen dann eine höhere Dichte von notwendigen neuen Netzwerkverbindungen, die sich auf demselben Raum unterbringen lassen und keine weiteren Kosten hinsichtlich Stellfläche für Netzwerkschränke erzeugen.

Bestens gerüstet für die Zukunft

Bestens gerüstet für die Zukunft

Letztendlich haben Kunden die Wahl aus einer deutlich gestiegenen Anzahl von Transceiver-Technik, optischen Schnittstellen/Steckgesichtern und Übertragungsgeschwindigkeiten. Fest steht jedoch, dass eine Base-8-Verkabelung eine sichere Investition bietet, auf deren Basis sich -R4 bzw. -R8 Transceiver-Modelle abbilden lassen. Damit unterstützt eine anwendungsneutrale strukturierte Verkabelung aktuelle Technologien und sorgt gleichzeitig dafür, dass Kunden optimal auf die Zukunft vorbereitet sind. Das gilt nicht nur für Ethernet-Protokolle, sondern auch für FibreChannel im Storage Area Network (SAN).

Wie Transceivermodelle für 1,6 und 3,2T in der Zukunft aussehen werden, bleibt zu beobachten. Die für die aktuell gängigen Geschwindigkeiten eingesetzten Modelle (pluggable optics) besitzen bei solch extremen Geschwindigkeiten eine zu große Leistungsaufnahme, um wirtschaftlich zu sein. Entwicklungen in der Transceiver-Technik gehen daher neue Wege z.B. in Richtung Onboard Optics oder Co-Packaged Optics, aber auch Glasfaser-Steckverbinder und neue Fasertechnologien werden bei deren Entwicklung eine wichtige Rolle spielen. In den letzten Jahrzehnten ist eine Vielzahl von Steckverbindertypen auf den Markt gekommen, und auch in Zukunft werden wir neue Modelle sehen, die wiederum neue Geschwindigkeiten und Architekturen ermöglichen.

Cindy Ryborz
Corning Optical Communications
Letzte Aktualisierung: August 2022